Ostküste

Statt den direkten Weg nach Coles Bay einzuschlagen, verließen wir Launceston in nordöstlicher Richtung. Ziel: die Bay of Fires. Die „windy Road“ durch die Nationalparks eröffnete einige traumhafte Ausblicke. Doch hatten wir keine Zeit zu verlieren, wenn wir noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang an der Feuerbucht ankommen wollten.

Der Name „Bay of Fires“ kommt übrigens nicht von den rotgefärbten Steinen, die aufgrund von Sedimentausspühlungen in leuchtendem Rot erstrahlen. Vielmehr geht es bei der Bezeichnung um die Feuer der vielen Aboriginies, die Tasmanien bewohnten und von denen es heute keine mehr auf der Insel gibt. Der Strand in der Bucht beeindruckte und machte Hyams Beach in der Jervis Bay durchaus Konkurrenz. Doch erwartete uns am nächsten Tag der eigentliche Höhepunkt der Ostküste – der Freycinet National Park.

Wineglass Bay

Dieser befindet sich auf einer kleinen Halbinsel circa 100km südlich der Bay of Fires und wird nicht nur von traumhaften Stränden sowie einer belebten Tierwelt gekennzeichnet, sondern auch von einer rund 500m hohen Bergkette – den Hazards. Dieses Highlight schien aber nicht nur uns bekannt. Wir staunten nicht schlecht als wir auf dem Wanderweg an den Bergen entlang zur traumhaften Wineglass Bay wanderten. Während wir am Lake St. Clair fast allein unterwegs waren, strömten Naturfreunde, Familien mit Kindern und Touristen zum Aussichtspunkt hinauf, der auch unser erstes Tagesziel war. Doch als wir den längeren Abzweig weg von der Wineglass Bay für die Rückweg wählten, war der Trubel schon wieder vorbei. Verwunderlich – ist doch der Hazards Beach nicht minder spektakulär. Zudem bietet sich auf der Westseite der Halbinsel ein durchaus attraktiver Ausblick auf Tasmaniens „Festland“.

Freycinet Halbinsel mit den Hazards

Tipp: Auf den kleinen Abstecher zum Cape Tourville sollte niemand verzichten. Der 20-minütige Rundweg am Kap ist nicht mehr als ein Spaziergang, trumpft dafür aber mit einer überragenden Aussicht auf die Hazards und den riesigen blauen Ozean auf.

Auf dem Weg nach Lonnie – Lake St. Clair

Mittlerweile wurde unsere kleine Reisegruppe um eine deutsche Freundin erweitert, die wir im Hostel in Hobart einsammelten und die uns auf unserer Weiterreise nach Launceston („Lonnie“) begleitete. Die Fahrt dahin dauert normalerweise drei Stunden. Langweilig, dachten wir uns, und schoben einen Abstecher zum Lake St. Clair ein. Nein, kein See zum Baden – ein See in den Bergen, der gleichzeitig den Schlusspunkt des berühmten Overland Tracks bildet. So trafen wir vor Ort, abgesehen von einem niedlichen Wombat, der total gemütlich und unscheu über den Parkplatz spazierte, ausschließlich auf mit Rucksack bepackte Wanderer.

Die ursprüngliche Idee im National Park vorbei am Mt. Rufus zum Shadow Lake zu wandern, wurde vom Wetter zunichte gemacht. Der auf 900m (Höhe des Lake St. Clair) ab und zu einsetzende Nieselregen schlug sich in höheren Lagen in Form von nassem Schnee nieder, sodass eine längere Wanderung sicherlich keine Vorteile gebracht hätte. Auch weil die atemberaubende Aussicht vermutlich deutlich eingeschränkt gewesen wäre. Der eineinhalbstündige Rundweg am See entlang erwies sich aber als sehr angenehme Alternative. Das „schlechte“ Wetter sorgte für überschaubaren menschlichen Besuch und für eine beruhigende, entspannte, stille Atmosphäre. Und als Belohnung zeigten sich vereinzelt die Sonne und die teils schneebedeckten Berge. Super schön.

Lake St. Clair mit wolkenverhangenen Bergen im Hintergrund

Die anschließende Weiterfahrt nach „Lonnie“ war geprägt von unbefestigten Straßen durch Buschland, riesigen Stauseen und traumhaften Aussichten. Launceston, die zweitgrößte Stadt Tasmaniens, ist ebenfalls eine relaxte Stadt mit einigen niedlichen Fußgängerpassagen. Die an der Mündung des Tamar River liegende Cataract Gorge stellt dabei eines der Highlights der Stadt dar. Für die Hänge des Tamar Valleys blieb uns leider keine Zeit, hatten wir uns doch vor allem auf die Ostküste fokussiert.

Tipp: Der Overland Track ist die Outdoor-Attraktion Tasmaniens. In fünf Tagen durchwandert man die Nationalparks Cradle Mountain und Lake St. Clair und bekommt dabei eine Landschaftsmixtur von Irland und der Schweiz geboten.

Hobart

Hobart ist die Hauptstadt Tasmaniens und beherbergt immerhin 40% aller Einwohner der Insel. Damit ist sie logischerweise die größte Stadt – und eine hippe Stadt, mit europäischem Flair und vielen gemütlichen Cafés und Restaurants. In Hobart startete und endete unsere Reise durch Tasmanien.

Obwohl wir den ersten Tag noch ruhig in einem Café verbrachten und die kommenden Aktivitäten planten, wagten wir uns am Nachmittag doch in die Kälte – es war nicht wirklich kalt, aber doch spürbar kühler als auf dem „Festland“ – und fuhren mutig auf den Mt. Wellington, Hobarts Hausberg. Auf dem Weg zu dem 1271m hohen Gipfel eröffnete sich uns bereits ein traumhafter Ausblick. Die Vorfreude auf den finalen Lookout wuchs – und wurde bald getrübt. Verantwortlich dafür war nicht nur der aufkommende Nebel, sondern auch der einsetzende Schneeschauer. Eisiger Wind wehte bei gefühlten Minusgraden und an Aussteigen aus dem Auto war kaum zu denken. Die Jacken hatten wir übrigens im Hostel gelassen. Intelligent. Dennoch, für den sich doch ab und zu doch bietenden Ausblick und für die Tatsache, dass es in Australien schneit, lohnte sich der Ausflug allemal.

Blick vom Mt. Wellington auf Hobart

Nach unserem Roadtrip über die Insel, verschlug es uns am Ende nochmal für drei Tage nach Hobart und ließen den Urlaub ausklingen. Und dafür eignet sich Hobart sehr gut. Beim Fischessen an den Docks, beim Kaffeetrinken in einem der unzähligen Cafés oder beim Drink in den coolen Bars am Salamanca Place vertreibt es sich die Zeit relativ leicht. Für die aktiveren Leute bietet sich ein Ausflug zur Cadbury Chocolate Factory, ein Besuch des Museum of Old and New Art (MONA) oder ein Bootstour auf dem Derwent River an. Wir allerdings entschieden uns für die entspannte Variante. Die nächsten Berichte werden zeigen warum.

Tipp: In Hobart gibt es die besten Bäckereien, die ich bisher in Australien gesehen habe, auch wenn es keine große Schwierigkeit darstellt, das Festland-Toastbrot zu übertrumpfen. Jackman & Ross im etwas abgelegenen historischen Viertel Battery Point ist dabei insbesondere zu empfehlen, da es zugleich noch leckere Pies im Angebot hat.

Tasmanien

Wer sich die Karte von Australien etwas genauer anschaut, dem wird aufgefallen sein, dass es sich nicht um eine, sondern um zwei Inseln handelt. Der „kleine“ Punkt südlich von Australien heißt Tasmanien und ist wahrscheinlich vor allem durch seine aussterbenden Tierarten bekannt – dem Tasmanischen Tiger und dem Tasmanischen Teufel. Auch Australier („Festland“-Australier) ignorieren ganz gern den achten Bundesstaat – für sie ist es sowieso viel zu kalt auf „Tassie“ wie es dennoch liebevoll genannt wird.

Bevor es allerdings endgültig kühler und Tasmanien vermutlich komplett mit Schnee bedeckt sein wird, ging ich selbst auf die Reise, um mich von dem Gerücht, dass es jeden Monat schneien kann, zu überzeugen. Für neun Tage, davon sechs mit gemieteten Auto, ging es mit einer Schweizer Freundin von Sydney aus nach Hobart, der Hauptstadt. Fragt man sich nun, warum man ganze neun Tage auf so einer kleinen Insel verbringen muss, dann sollte man im Hinterkopf behalten, dass Tasmanien immerhin eine Fläche von ca. 68.000km² einnimmt. Das entspricht der 1,5fachen Fläche der Schweiz, oder auch ungefähr der Größe Bayerns. Das ist nicht so klein.

Umso komplizierter wurde dafür die Planung, was man in den sechs Tagen mit Auto alles abfahren will. Touristische Highlights wie Port Arthur, den wilden Westen mit zerklüffteten Bergketten und stürmischer Küste, die Städte Launceston oder Devonport, abgeschiedene Strände wie die Bay of Fires, der ruhige Nordwesten („God’s waiting room“ – dort leben viele Rentner) oder auch die vielen National Parks – einfach war die Entscheidung nicht. Und sicherlich blieb einiges auf der Strecke. Doch zum Schluss haben wir, wie sich später herausstellte, eine nette Runde gefunden:

Hobart – Lake St. Clair National Park – Launceston – Bay of Fires – Freycinet National Park – Fortescue Bay – Port Arthur – Hobart

Tipp: Was es in den einzelnen Orten zu sehen gibt, folgt schon bald. Fotos sowieso!

Jervis Bay

„Colourful trips“ – Das war die Bezeichnung für den vom Study Abroad Service (Austauschdienst an der UOW) organisierten Ausflug zur Jervis Bay. Da ich mich damals gegen dieses Angebot und für die Blue Mountains entschieden habe, musste Jervis Bay unbedingt nachgeholt werden.

Letztes Wochenende ergab sich dann die Gelegenheit, als ich mit meinen italienischen, französischen und deutschen Freunden entschied, ein Auto zu mieten und für einen ruhigen Sonntag „down south“ zu fahren. Ausgehend vom schicken und gemütlichen Hauptort Huskisson erkundeten wir die Bay, die angeblich so farbenprächtig sein soll die definitiv so farbenprächtig ist.

  • Weiß: Hyams Beach ist im Guinness Buch der Rekorde als der Strand mit dem weißesten Sand weltweit eingetragen. Ein Muss.
  • Blau: Das Wasser.
  • Hellblau: Dass Wasser auch in Australien eine blaue Farbe annimmt, ist kein Geheimnis. Aber ich dachte nicht, dass es in Ufernähe zu einem unglaublich leuchtenden Hellblau werden kann, das man sonst viel mehr von Bildern aus der Karibik kennt – dem weißen Sand sei Dank.
  • Grün: Über den südlichen Teil der Bucht erstreckt sich der Booderee National Park (nicht der einzige in der Region), der teilweise vereinzelt Regenwald aufweist und im Herzen einen riesigen Botanischen Garden beherbergt – den wir aus bestimmten Gründen (siehe unten) auslassen mussten.
  • Braun: Ein Nationalpark in Australien impliziert normalerweise gleichzeitig Wildlife-Spotting – genauer gesagt Kängurus. Während meine Begleiter ihre ersten Kängurus sahen, war es für mich eher schon die Gewohnheit. Doch als in Stoney Creek dieses Riesen-Känguru mit seinem braunen, flauschigen Fell aus dem Busch kam und die Holzstufen des Wanderwegs hinaufgesprungen ist, war ich doch etwas beeindruckt.
  • Rot: Die Farbe des Horizonts bei Sonnenuntergang. Aufgrund der Zeitumstellung am selbigen Tag war es der erste Tag, an dem die Sonne bereits vor 18Uhr unterging (!).
  • Grau: Fast hätte ich es vergessen. Gegen Nachmittag zogen bereits kräftige Gewitterwolken auf, die auch den ein oder anderen Schauer zur Folge hatten. Es erwies sich dann durchaus praktisch, dass wir mit dem Auto unterwegs waren und dennoch die meisten schönen Orte anfahren konnten.

 

Hyams Beach

Fazit: Wir werden sicherlich noch mal wiederkommen. Erstens ist es wunderschön – vielleicht wird das Wetter besser. Zweitens besteht die Option, im Juni auf Bootstour mit Walbesichtigung zu gehen. Delfine sind dabei in jedem Fall mit inbegriffen.

Tipp: Murrays Beach – der Sand fast so weiß wie am Hyams Beach, aber durch den Blick auf die unweite Cowen Island, die fast bis ans Wasser reichenden Wälder des Nationalparks und den unglaublichen Blick in die Bucht wirkt dieser Strand wie das Paradies. Oder wie auf Monkey Island.