Tasmanien

Wer sich die Karte von Australien etwas genauer anschaut, dem wird aufgefallen sein, dass es sich nicht um eine, sondern um zwei Inseln handelt. Der „kleine“ Punkt südlich von Australien heißt Tasmanien und ist wahrscheinlich vor allem durch seine aussterbenden Tierarten bekannt – dem Tasmanischen Tiger und dem Tasmanischen Teufel. Auch Australier („Festland“-Australier) ignorieren ganz gern den achten Bundesstaat – für sie ist es sowieso viel zu kalt auf „Tassie“ wie es dennoch liebevoll genannt wird.

Bevor es allerdings endgültig kühler und Tasmanien vermutlich komplett mit Schnee bedeckt sein wird, ging ich selbst auf die Reise, um mich von dem Gerücht, dass es jeden Monat schneien kann, zu überzeugen. Für neun Tage, davon sechs mit gemieteten Auto, ging es mit einer Schweizer Freundin von Sydney aus nach Hobart, der Hauptstadt. Fragt man sich nun, warum man ganze neun Tage auf so einer kleinen Insel verbringen muss, dann sollte man im Hinterkopf behalten, dass Tasmanien immerhin eine Fläche von ca. 68.000km² einnimmt. Das entspricht der 1,5fachen Fläche der Schweiz, oder auch ungefähr der Größe Bayerns. Das ist nicht so klein.

Umso komplizierter wurde dafür die Planung, was man in den sechs Tagen mit Auto alles abfahren will. Touristische Highlights wie Port Arthur, den wilden Westen mit zerklüffteten Bergketten und stürmischer Küste, die Städte Launceston oder Devonport, abgeschiedene Strände wie die Bay of Fires, der ruhige Nordwesten („God’s waiting room“ – dort leben viele Rentner) oder auch die vielen National Parks – einfach war die Entscheidung nicht. Und sicherlich blieb einiges auf der Strecke. Doch zum Schluss haben wir, wie sich später herausstellte, eine nette Runde gefunden:

Hobart – Lake St. Clair National Park – Launceston – Bay of Fires – Freycinet National Park – Fortescue Bay – Port Arthur – Hobart

Tipp: Was es in den einzelnen Orten zu sehen gibt, folgt schon bald. Fotos sowieso!

Rückblick Melbourne

Nachdem ich mittlerweile in Wollongong (New South Wales) angekommen bin und Melbourne endgültig den Rücken zugekehrt habe, erlaube ich mir ein kurzes Fazit zu Australiens zweitgrößter Stadt zu ziehen.

Blick auf Skyline Melbournes von St. Kilda

Wie schon angedeutet, Melbourne lebt zwar nicht von vielen Sehenswürdigkeiten, aber Melbourne lebt. Attraktiv. Vielseitig. Abwechslungsreich. Bunt. Faszinierend. Ob edel oder einfach, ob klassisch oder alternativ – Melbourne hat alles und noch viel mehr. Unzählige Parks, kleine Gässchen, viktorianisch geprägte Arkaden und Bauwerke, populäre und schräge Einkaufsstraßen mit vielen netten Cafés und Pubs sowie einen Strand, von welchem man einen traumhaften Blick auf die Skyline der Stadt hat. Zudem befinden sich in näherer Umgebung (ein bis zwei Stunden Auto oder Metrofahrt) viele Möglichkeiten, um dem Großstadtleben zu entfliehen: die Nationalparks in den Dandenong Ranges, die Inseln French und Phillip Island oder die einmalige Great Ocean Road. Mehr Abwechslung kann es kaum geben.

Doch ein richtiges, hektisches Großstadtleben empfindet man in Melbourne gar nicht. Zu keiner Zeit merkt man die vier Millionen Einwohner, die hier leben. Das liegt einerseits daran, dass es kaum größere Wohnhäuser das Bild der Stadt zieren. Und zum anderen ist die Stimmung auf den Straßen viel zu entspannt und freundlich, dass irgendeine Hektik aufkommen könnte. Super angenehm.

Bewertung: 4,5 (von 5)

Mit dem Zug von Melbourne nach Wollongong

"Express Passenger Train"

Wer relativ günstig zwischen den beiden australischen Großstädten Melbourne und Sydney verkehren und dabei noch ein Gefühl von einer Reise durchs Outback erfahren will, der sollte auf den CountryLink express passenger train (XPT) zurückgreifen. Die Fahrt dauert immerhin 12 Stunden, führt nicht an der Küste entlang, sondern durch das Landesinnere und passiert dabei Städte wie Albury, Wagga Wagga oder Moss Vale. Moss Vale war für mich auch die Station, ab welcher ich mit dem Bus weiter nach Wollongong wollte. Doch bis ich da ankam, dauerte es doch etwas länger als geplant.

Aber von Anfang an: Die Waggons als auch die Zugmaschinen des XPT sind definitiv nicht die modernsten. Keine Hochgeschwindigkeit, kein Strom und erst recht kein WLAN. Dafür sind die Sitze sehr bequem, weil großräumig ausgelegt, und immer in Fahrtrichtung ausgerichtet, da im Kompletten drehbar.

Die Fahrt selber gibt wie gesagt eine kleine Vorstellung des australischen Hinterlands. Zwischen den einzelnen Stationen sieht man immer wieder karge und trockene Landschaften, in denen auch das ein oder andere ausgebrannte Auto liegen geblieben ist. An Handynetz braucht man ebenfalls nicht zu denken. Es fehlen eigentlich nur noch die Aasgeier,  welche sitzend auf den Skeletten verkommener Tiere auf neue Nahrung warten.

Es ist dann folglich für mich eine ganz besondere Situation, wenn der XPT von Melbourne nach Sydney irgendwo zwischen zwei Stationen stehen bleibt und der Lokführer verkündet, dass der wichtige Hinterantrieb ausgefallen ist. Dieser wird aber benötigt, um über die Hügel des Hinterlands von Sydney zu kommen. Glücklicherweise konnte das Problem nach einiger Zeit gelöst werden. Die ca. 3h Verspätung waren insofern weniger schlimm, dass CountryLink alle Anschlüsse gewährleistete. Ein Abenteuer war es aber allemal, wenn auch ein anstrengendes.

Tipp: Bei längeren Bahnreisen genügend Essen und Trinken mitnehmen sowie ein Notfallzelt, eine Taschenlampe und ein Satellitentelefon.

Richtung Osten

Kurzmitteilung

Die Australian Open sind vorbei, der Tenniszirkus zieht weiter. Und ich auch. Nachdem ich letzte Woche bereits die Südwestküste von Melbourne mit einer Tour an die Great Ocean Road bereist habe, zieht es mich nun diese Woche gen Osten. Die Südostküste ist nicht ganz so überlaufen, birgt aber eins, zwei großartige Attraktionen.

Und so werde ich jeweils drei Tage in Foster (unweit des Wilsons Promontory National Parks) und in Lakes Entrance (gelegen am 90-mile Beach) verbringen. Was es dort so gibt, erfahrt ihr in den nächsten Tagen.

Great Ocean Road

Die südöstlich von Melbourne verlaufende Küstenstraße gehört zu den bekanntesten und populärsten Australiens. Zurecht. Sie führt entlang von traumhaften und weltbekannten Stränden, passiert Nationalparks mit Regenwald und windet sich um weltberühmten Fels- und Küstenformationen. Die Reise buchte ich über ein tolles Angebot des Australischen Jugendherbergsverband YHA, welches guided tours zu allen wichtigen Highlights an der Great Ocean Road sowie zwei Tage Übernachtung in einem Hostel beinhaltete.

Okay, in Realität waren es dann einfach zwei Tagestouren „Great Ocean Road“, bei welchem ich einfach nach der Hälfte aus dem Bus geworfen wurde und zwei Tage später wieder aufspringen durfte. Aber auch der Sache Wert. Zwar glich die Fahrt im Bus einem Sprint-Marathon (20min Fahrt, Aussteigen, 10min Pause, 3 Fotos, Einsteigen, und von vorn). Doch saß ich einerseits bei beiden Touren direkt neben dem Busfahrer und Guide, somit eine Art VIP-Loge mit Ausblick auf die wunderschöne Küste. Andererseits sind einige Sehenswürdigkeiten entlang der Küste „nur“ ein paar Fotos Wert. Leuchttürme, Ausblicke, und auch Strände (davon gibt es sowieso genug).

Den Zwischenstopp legte ich dann in Apollo Bay ein, was ungefähr auf der Hälfte der Strecke liegt. Das kleine Städtchen liegt am Meer, mit einem netten Strand. Viel los war nicht, und als ich ankam, musste ich feststellen, dass mit guided tours wirklich nur die beiden Tagestouren gemeint waren. Somit gab es keine Art Shuttle-Busse, die mich zu den ganzen Highlights brachten. Linienbusse? Ebenfalls Fehlanzeige. Die fahren nur alle zwei Tage und sehr sporadisch, sodass man nicht mehr zurück kommt, sobald man sich für einen Ausflug entscheidet. Wie auch immer, von Zeit zu Zeit ist es ganz angenehm, ein ruhigen Tag in einem Öko-Designer-Hostel mit netten Leuten zu verbringen. Und so verbrachte ich einen kompletten Tag in Apollo Bay.

Ach ja, dies sind einige der wichtigsten Highlights der Great Ocean Road: Bells Beach in Torquay (Surfing Capital und Gründungsorte von Quiksilver und Rip Curl), Split Point Lighthouse in Aireys Inlet, die kleine Küstenstadt Lorne und Apollo Bay. Auf der zweiten Tour erwarteten mich noch der ein kurzer Bushwalk im Cape Otway National Park (längerer Aufenthalt laut Reiseführer und Augenzeugen empfehlenswert) und der Port Cambell National Park, mit den bekannten 12 Aposteln, Gibson Steps und Lock Ard Gorge. Insbesondere der zweite Teil kam viel zu kurz. Wie schön muss es erst sein, hier einen Sonnenauf- oder untergang ohne hunderte Touristen zu erleben?

Einige der "12 Apostles"

Tipp: Selbst drei Tage Great Ocean Road sind zu wenig. Da die Busse nur schlecht die einzelnen Orte verbinden, lohnt sich ein Auto in jedem Fall. Wenn die Straße nicht zu sehr befahren ist, sollte man aufs Rad umsteigen (Fitness vorausgesetzt) und die Road in einzelne Abschnitte unterteilen. Und auch zu Fuß können Teile der Road auch zurückgelegt werden, Infos dazu hier. Wenn ich nochmal zurück kommen sollte, werde ich mich für eine der drei Optionen entscheiden.