Rückblick Melbourne

Nachdem ich mittlerweile in Wollongong (New South Wales) angekommen bin und Melbourne endgültig den Rücken zugekehrt habe, erlaube ich mir ein kurzes Fazit zu Australiens zweitgrößter Stadt zu ziehen.

Blick auf Skyline Melbournes von St. Kilda

Wie schon angedeutet, Melbourne lebt zwar nicht von vielen Sehenswürdigkeiten, aber Melbourne lebt. Attraktiv. Vielseitig. Abwechslungsreich. Bunt. Faszinierend. Ob edel oder einfach, ob klassisch oder alternativ – Melbourne hat alles und noch viel mehr. Unzählige Parks, kleine Gässchen, viktorianisch geprägte Arkaden und Bauwerke, populäre und schräge Einkaufsstraßen mit vielen netten Cafés und Pubs sowie einen Strand, von welchem man einen traumhaften Blick auf die Skyline der Stadt hat. Zudem befinden sich in näherer Umgebung (ein bis zwei Stunden Auto oder Metrofahrt) viele Möglichkeiten, um dem Großstadtleben zu entfliehen: die Nationalparks in den Dandenong Ranges, die Inseln French und Phillip Island oder die einmalige Great Ocean Road. Mehr Abwechslung kann es kaum geben.

Doch ein richtiges, hektisches Großstadtleben empfindet man in Melbourne gar nicht. Zu keiner Zeit merkt man die vier Millionen Einwohner, die hier leben. Das liegt einerseits daran, dass es kaum größere Wohnhäuser das Bild der Stadt zieren. Und zum anderen ist die Stimmung auf den Straßen viel zu entspannt und freundlich, dass irgendeine Hektik aufkommen könnte. Super angenehm.

Bewertung: 4,5 (von 5)

Mit dem Zug von Melbourne nach Wollongong

"Express Passenger Train"

Wer relativ günstig zwischen den beiden australischen Großstädten Melbourne und Sydney verkehren und dabei noch ein Gefühl von einer Reise durchs Outback erfahren will, der sollte auf den CountryLink express passenger train (XPT) zurückgreifen. Die Fahrt dauert immerhin 12 Stunden, führt nicht an der Küste entlang, sondern durch das Landesinnere und passiert dabei Städte wie Albury, Wagga Wagga oder Moss Vale. Moss Vale war für mich auch die Station, ab welcher ich mit dem Bus weiter nach Wollongong wollte. Doch bis ich da ankam, dauerte es doch etwas länger als geplant.

Aber von Anfang an: Die Waggons als auch die Zugmaschinen des XPT sind definitiv nicht die modernsten. Keine Hochgeschwindigkeit, kein Strom und erst recht kein WLAN. Dafür sind die Sitze sehr bequem, weil großräumig ausgelegt, und immer in Fahrtrichtung ausgerichtet, da im Kompletten drehbar.

Die Fahrt selber gibt wie gesagt eine kleine Vorstellung des australischen Hinterlands. Zwischen den einzelnen Stationen sieht man immer wieder karge und trockene Landschaften, in denen auch das ein oder andere ausgebrannte Auto liegen geblieben ist. An Handynetz braucht man ebenfalls nicht zu denken. Es fehlen eigentlich nur noch die Aasgeier,  welche sitzend auf den Skeletten verkommener Tiere auf neue Nahrung warten.

Es ist dann folglich für mich eine ganz besondere Situation, wenn der XPT von Melbourne nach Sydney irgendwo zwischen zwei Stationen stehen bleibt und der Lokführer verkündet, dass der wichtige Hinterantrieb ausgefallen ist. Dieser wird aber benötigt, um über die Hügel des Hinterlands von Sydney zu kommen. Glücklicherweise konnte das Problem nach einiger Zeit gelöst werden. Die ca. 3h Verspätung waren insofern weniger schlimm, dass CountryLink alle Anschlüsse gewährleistete. Ein Abenteuer war es aber allemal, wenn auch ein anstrengendes.

Tipp: Bei längeren Bahnreisen genügend Essen und Trinken mitnehmen sowie ein Notfallzelt, eine Taschenlampe und ein Satellitentelefon.

French und Phillip Island

Unweit von Melbourne gelegen liegen die beiden Inseln French und Phillip Island, die beide nicht unterschiedlicher sein könnten. Phillip Island, touristisch, mit vielen Tierparks, Heimat eines Motorradgrandprix sowie Strände zum Surfen und Baden. French Island, 80 Einwohner, 70% der Fläche geschütztes Naturreservoir und kaum befestigte Straßen.

Mit der Fähre gelangt man vom Festland nach Phillip Island nur über French Island, sodass ich die Gelegenheit nutzte, um der „französischen“ Insel einen kurzen Besuch abzustatten. Ein Fehler! Ich hätte mehr Zeit einplanen sollen. Glücklicherweise konnte ich mich einer Tour, welche von der lustigen gebürtigen „French Islanderin“ Lois Airs geführt wird, für ein paar Kilometer anschließen. Ich sah eine dem Outback ähnelnde Insel mit unbefestigten Straßen, wilden Tieren, vereinzelten Häusern, die sich selber mit Strom versorgen, und einem General Store, in dem es leckeres Eis gab. Gern wäre ich länger geblieben, doch wollte mein Plan, dass ich zur Nachbarinsel Phillip Island übersetze.

General Store auf French Island

Phillip Island, wie gesagt bekannt durch das Motorradrennen, hat sehr viel zu bieten: traumhafte Strände, mehrere Tierparks, Seelöwenaussichtspunkte und die weltbekannte Pinguin-Parade, bei welcher die Jungtiere jeden Abend aus dem Wasser zu ihrem Nachtlager zurückkehren. Leider kann man kaum etwas von all dem sehen, wenn man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Diese sind auf Phillip Island nämlich praktisch nicht vorhanden. Und auch der letzte Bus nach Melbourne fährt bereits 18Uhr, noch lange bevor die Pinguine das Wasser verlassen. Also blieb für mich „nur“ ein entspannter Nachmittag am Strand.

Tipp: Wer ohne Auto auf Phillip Island unterwegs ist, sollte sich im besten Fall ein Fahrrad leihen und eine Übernachtung einplanen. Auf French Island lohnt es sich, die Tagestour mitzunehmen. Lois ist einfach zu witzig, der Tour-Bus gefühlte 100 Jahre alt und die Aussicht auf die Natur überwältigend. Koala-Spotting ist garantiert.

Unterwegs in den Dandenong Ranges

Frage: Wie kommt man von Melbourne aus am schnellsten in den Busch? Antwort: Nimm die Metro in Richtung Belgrave, steig in Upper Ferntree Gully aus, statte dem Visitors Centre einen kurzen Besuch ab, um eine auf A3-Blatt ausgedruckte Karte für 50c zu kaufen und los geht’s.

Von der Metrostation Upper Ferntree Gully erreicht man ziemlich schnell den eindrucksvollen 1000 Steps Kokoda Walk, der hinauf zum One Tree Hill führt. Aber ich war nicht allein. Es waren zig Jogger oder Walker unterwegs, die die 1000 Stufen (meiner Zählung nach sind es nur ca. 800) zum Training nutzten, sodass man kaum Platz hatte, die schmale Treppe hinauf zu steigen, ohne aller 5 Stufen anzuhalten. Aber dennoch ein cooler Weg durch den Busch.

1000 Steps Kokoda Walk

Nach dem ich den One Tree Hill allerdings passiert hatte, fand ich mich plötzlich ganz allein wieder, was in australischen Wälder mit vielen wild lebenden Tieren ganz aufregend und zugleich etwas komisch sein kann. Nach 15km Fußmarsch durch die bis zu 80m hohen Wälder, inklusive eines toten Koala-Bären (?) und der Durchquerung eines privaten Weidelands mit Pferden, kam ich aber gut gelaunt in Belgrave an. Bushwalken in den Dandenong Ranges ist ein Erlebnis.

Tipp: Anti-Insekten/Mücken-Spray sollte zur Vorsicht aufgetragen werden. Ebenso ist eine lange Hose empfehlenswert, die 30°C spürt man im Schatten sowieso nicht mehr.

Australia Day

Heute ist/war Australia Day. Gestern habe ich zwei ziemlich negative Meinungen zum australischen Nationalfeiertag gehört. Zu viele betrunkene, halbstarke, aggressive, gewaltbereite Männer unterwegs, man solle doch am besten zu Hause bleiben.

Also ging ich am Abend, wenn es wahrscheinlich am schlimmsten ist, zum Federation Square, nahe der Flinders Street Station. Public Viewing, Tennis, Halbfinale, Federer – Nadal. Ein Muss, wenn man keine Tickets für die Rod Laver Arena hat. Das Match war, wie immer wenn die beiden aufspielen, großartig. Tennis vom Feinsten. Nadal siegte in 4. Schade für Roger. Stimmung war gut.

Ach ja, es war übrigens nichts von gewaltbereiten Australiern zu spüren. Vielleicht waren einige leicht angetrunken, aber es herrschte nach wie vor eine entspannte Stimmung. Alles halb so wild. Man muss also am 26.1. in Australien nicht zu Hause bleiben.

Federation Square

Tipp: Zum Anlass des Australia Days finden einige coole Events in den Straßen der Stadt statt.